Oskar-Bider-Archiv

Ein virtuelles Archiv mit Dokumenten zum Leben des Flugpioniers Oskar Bider

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6. «Grosser Alpenflug» (Bern–Mailand)

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Am Sonntag, 13 Juli 1913, folgte der nächste bedeutende Alpenflug – der bedeutendste überhaupt. Am Mittwoch zuvor musste Bider seinen ersten Versuch zum grossen Alpenflug abbrechen, weil er die nötige Höhe beim Jungfraujoch wegen einigen hundert Metern nicht erreichen konnte. Nach drei Stunden aviatischem Kampf kehrte er wieder nach Bern zurück.

In Anwesenheit von etwa 50 Personen startete Bider am besagten Datum auf dem Beundenfeld um 04'08h ein zweites Mal. Er überflog das Jungfraujoch um 06'07h ca. 50–100 m überhöht und landete danach um 06'40h in Domodossola nach einem bemerkenswert steilen Sinkflug.1 Dort musste er Oel und auch Benzin nachtanken. In Mailand traf er um 08'42h ein.

Die eigentliche Glanzleistung dieses Flugs war die Bewältigung des Jungfraujochs; die Thermik auf der Nordseite und die günstige Süd-Wetterlage waren dafür ideal.

Der französisch/peruanische Pionieraviatiker Jorge «Geo» Chàvez (1887–1910) hatte den südlichen Alpenkamm drei Jahre zuvor, am 23. September 1910, via Simplon nach Domodossola überflogen. Dort starb er aber nach einer Bruchlandung. Somit gilt Biders Flug als 1. Alpen-Gesamttraversierung.

Laut beiliegender Korrespondenz begannen erste gedankliche Überlegungen für einen «Grossen Alpenflug» bereits in der zweiten Hälfte Mai 1913. Mit einem Brief bat Paul Cardinaux-Gerster den Aeroclub Italiano um Unterstützung beim kommenden «Grossen Alpenflug» seines Cousins Bider von Bern nach Mailand. Ein etwas heikles Unterfangen, weil nicht zu früh bekannt werden durfte, dass Bider diesen Alpenflug plante (Konkurrenzsituation unter den damaligen Pionieraviatikern).

Auch an die Betriebsdirektion der Jungfraubahn erging später, am 29. Juni 1913, ein Brief von Paul Cardinaux-Gerster in Sachen Wettervorhersage und geflissentlicher Information allfälliger Schaulustiger auf der Kleinen Scheidegg und auf dem Jungfraujoch – rechtzeitig vor Biders Überflug.

Oskar Bider selber schrieb einen Bittbrief – einmal mehr vom Cousin Paul Cardinaux entworfen – an die Blériotfirma um Unterstützung des für Bider sehr kostenträchtigen Alpenflugs auf privatem Blériot-Apparat. Dies sei doch sehr zum Vorteil und im Firmeninteressen von Blériot – auch mit Blick auf künftige Flugzeugbeschaffungsprojekte der Schweiz und in Italien.

Der offiziellen Aufmerksamkeit wurde man mit einer diplomatischen Note des Berner Stadtpräsidenten Steiger an seinen Kollegen, den Sindaco Crespi in Mailand, gerecht. Bider transportierte diese Depesche dann später auf seinem Blériot und überreichte sie persönlich.

In Sachen public management und in der Geldbeschaffung waren die beiden Cousins Cardinaux und Bider vorgängig zum grossen aviatischen Wagnis sichtlich rege.

1
Laut Flugdiagramm stach Biders Blériot innert kürzester Zeit in sehr steilem Sinkflug von 3100 m Höhe auf das Niveau
des Landeplatzes in Domodossola hinunter. Es muss daran erinnert werden, dass Geo Chavez am 23.09.1910 auf seinem Blériot-Apparat diesen Sinkflug aus nur 1000 m Höhe einleitete. Wegen Materialschwäche und unvorsichtigem Landemanöver klappten die beiden Flügel etwa 8 m über Boden auf. Biders Blériot-Apparat, Baujahr 1912, war diesbezüglich offenbar stabiler und Bider beim Pilotieren seines Sinkflugs vorsichtiger.

 

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