Aviatik: Berichte über Biders Todessturz 1919

Briefentwurf vom 7. Juli 1919 Jakob Spalingers - gerichtet an seine Eltern

Der Flugzeugmechaniker bei der Fliegerabteilung in Dübendorf und späterer Segelflugpionier, Ing. Jakob Spalinger (1898-1988), war ein objektiver, genau beobachtender, fachlich ausgewiesener Augenzeuge des Absturzes am 7. Juli 1919 von Oblt. Oskar Marcus Bider (1891-1919) auf das Flugfeld bei Dübendorf ZH.

Das Original von Spalingers Bericht darüber - ein nicht abgeschickten Brief an Spalingers Eltern - publizieren wir hier mit freundlicher Genehmigung von Beat Schück (1955-2019) aus Wynigen BE. Scan des Briefentwurfs einschl. Nachtrag von 1966 (vgl. S. 5): 

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Johannes Dettwiler (Verfasser) legt zum selben Thema eine Gesamtbearbeitung aller ihm bis in die jüngste Zeit bekannt gewordener Archivdokumente zum Absturzgeschehen in Dübendorf vor.

Darunter befinden sich - neben dem erwähnten privaten, flugtechnisch objektiv abgefassten Briefentwurf Spalingers - auch offizielle Korrespondenzen und Memoranden von Biders Vorgesetzten und Offizierskameraden.

Unter Letzteren befanden sich einige Augenzeugen von Biders Flugmanövern sowie des schliesslichen Absturzvorgangs. Die Mehrzahl unter ihnen standen jedoch deutlich unter Nachwirkungen der gemeinsamen verbrachten Kameradenfeier in der Nacht zuvor.

Wichtig scheint daher, dass alle diese Kameraden-Memoranden mit Blick auf die lange Nacht der Kameradenfeier als subjektiv, somit als wenig zuverlässig gelten müssen (zahlreiche «Schutzbehauptungen» in den persönlichen Memoranden).  

 

Weiter sind erst kürzlich zwei Interview-Entwürfe bekannt geworden (Autoren n.g.). Verfasst wurden sie zu Beginn der 1960er-Jahren und geben die Gesprächen mit zwei ehemaligen Fliegerkameraden Biders, nämlich Alfred Comte (1895-1965) und Henri Pillichody (1893-1981), wieder. Diese maschinengeschriebenen Texte liegen im Fotopress-Archiv von Keystone AG in Zürich. Sie sind dort vor einiger Zeit wieder entdeckt und zur Veröffentlichung freigegeben worden. 

 

Über Biders psychische Verfassung in den Wochen vor seinem Todessturz geben diese privaten Interview-Notizen eindrücklichere Erinnerungen wieder, als je in Presseerzeugnissen zuvor bekannt geworden sind (meist journalistisch «geschönte» Artikel).

Grund dieser bemerkenswerten Zurückhaltung in den Jahrzehnten nach 1919 war der sorgfältig gewahrte Schutz von Biders Ehre und Würde - Held der Pionieraviatik und Vorbild in der Fliegertruppe im Aktivdienst des 1. Weltkriegs.

Mit freundlicher Genehmigung von Fotopress-Archivar Alex Anderfuhren fliessen diese Notizen und Rohentwürfe für Presseartikel nun in den Bericht ein. Eine persönliche Gesamtbeurteilung durch den Verfasser der möglichen persönlichen Gründe Biders rundet den Bericht ab. 

 

Ebenfalls zitiert und beurteilt werden im Übrigen alle zeitgenössichen Dokumente im Bundesarchiv in Bern, die dort vom Verfasser zum tragischen Geschehen am frühen Morgen des 7. Juli 1919 auf dem Flugfeld bei Dübendorf vorgefunden wurden.

 

Nach Meinung des Verfassers und aus heutiger Sicht mindert Biders selbstgewähltes Lebensende - offensichtlich in persönlicher Krise und belastet durch berufliche Zukunftsängste - in keiner Weise die fliegerischen Errungenschaften Biders.

Die Wertschätzung der Öffentlichkeit damals und heute seiner beeindruckenden und mutigen, pionieraviatischen Taten der Jahre 1913 und 1914 sind Aviatikpionier sicher. Dasselbe gilt für seine fliegerische Fachkompetenz als Cheffluglehrer im Aktivdienst von 1914-1918/(1919) in der Fliegerabteilung der Armee in Dübendorf . 

 

Gesamtbericht über den Absturz vom 7. Juli 1919:

Zum Todessturz von Oblt. Oskar Marcus Bider (1891–1919) in Dübendorf. PDF, 4.9 MB (compr.), Stand Februar 2020 (Autor: Johannes Dettwiler).

 

Überdies:

Originalbericht vom 17. September 1921 zum Todessturz Biders (07.07.1919). Erstellt durch Oberst Gottfried Immenhauser (1863-1963), eingereicht ans Eidg. Militärdepartement. ZVg Bundesarchiv Bern (BAR); Sign.-Nr.:  E27=1000/721=15737-1*, Band 6: Bericht Immenhauser. (PDF, 0.8 MB, Stand Nov. 2017).